Inklusion auf Spielplätzen

Laut Aktion Mensch, weißt derzeit ca. jeder fünfte Spielplatz in Deutschland inklusive Aspekte auf. Das ist uns eindeutig zu wenig!
 

Darum Inklusion

Ein inklusiver Spielplatz ist für unser Verständnis ein guter Spielplatz, der für alle Menschen nutzbar ist - nicht alles für Alle - aber für jede Person etwas. Nun stellt sich die Frage: Was macht einen guten Spielplatz aus? 

In Kürze gesagt: Gute Spielplätze sind in unseren Augen Lern- und Begegnungsorte. Also Orte, an denen durch Spiel und Begegnungen Potential für gemeinsame Erfahrungen; Verminderung von Begegnungsängsten; Verständnissverstärkung; den Abbau von Vorurteilen; Selbstvertrauensstärkung; Stärkung von Resilienz; verbesserter Fähigkeit Risiken einzuschätzen und natürlich, Potential für Begeisterung vorhanden ist.

Inklusion - wen betrifft das?

Inklusion ist der Anspruch, die selbstbestimmte, gleichberechtigte und gleichwertige Teilhabe von allen Menschen in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Ein Aspekt von Inklusion ist zum Beispiel die Barrierefreiheit. Dabei geht es zum einem um die sichtbaren Barrieren, zum anderen aber auch um die Barrieren, die man nicht sehen, anfassen oder messen kann.

HL Mammut - Inklusion
  • knapp 10% der Gesamtbevölkerung in Deutschland haben eine sogenannte Schwerbehinderung, dass heißt, dass ihre Fähigkeiten zu mehr als 50% durch die Behinderung(en) eingeschränkt sind
  • davon haben knapp 15% seelische oder geistige Beeinträchtigungen
  • davon sind knapp 60% körperlich beeinträchtigt
  • davon haben ca. 4% Einschränkungen in der Sehfähigkeit
  • davon haben ca. 4% Einschränkungen in der Hörfähigkeit

Inklusion von Anfang an mitdenken

Inklusion gehört beim Planungsprozess eines öffentlichen Spielplatzes von Anfang an dazu. Da die Bedürfnisse aufgrund der Zielgruppe, bzw. des Umfeldes einer Spielfläche oft sehr unterschiedlich sind, lassen sich universell anwendbare Prozesse kaum definieren. Jedoch ist es möglich, einige Punkte zu benennen, mit denen die Planung oft schon mit einfachen Mitteln inklusiver werden kann. Zusätzlich dazu ist ein inklusiver Beteiligungsprozess vor und während der Planungsphase oft sehr gewinnbringed - nicht über uns, sondern mit uns - auch um die spätere Akzeptanz der jeweiligen Flächen und Spielelemente durch die Nutzenden zu erhöhen.

Sereetz-Beteiligung

Inklusion ist nicht: Alles barrierefrei

Die Erreichbarkeit aller/einiger Spielangebote durch Personen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind ist zwar ein Teilaspekt von Inklusion, jedoch auch nicht mehr! Reizvoller scheint es zum Beispiel, durch bestimmte Spielangebote auch mal zum Verlassen des Rollstuhls anzuregen.

Inklusion heißt nicht: Alles einfach

Ohne Herausforderungen findet kein Lernen statt. Das Anbieten von unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden hat einen sehr hohen inklusiven Mehrwert und ist zugleich wohl eines der einfachsten Mittel, um Spielangebote für viele Menschen langfristig interessant und nutzbar zu machen. Dazu gehört aber auch, dass Dinge nicht beim ersten, zweiten oder dritten mal schaffbar sein müssen. Dies kann auch für Rampen gelten!

Inklusion heißt nicht: Alles für alle

Bedürfnisse die durch verschiedene Beeinträchtigungen oder Fähigkeiten entstehen widersprechen sich mitunter. Demnach ist es nicht möglich (und auch nicht nötig), alles für alle nutzbar zu machen. Anspruch sollte es sein, für alle etwas anzubieten.

Inklusion in der Planung

Der Spielplatz spielt Verstecken

Grüner Balancierparcours vor grünen Bäumen und Sträuchern - was aus gestalterischer Sicht erstmal passend erscheint, kann für Menschen mit Seheinschränkungen zu einem ungewollten Suchspiel werden.

Bei der farblichen Gestaltung von Spielplatzgeräten sollte auch immer die Farbigkeit von Untergrund und Hintergrund mitgedacht werden. Auch naturfarbenes Holz auf Fallschutzkies ist für Personen mit geringerer Sehkraft schnell unsichtbar.

Zugänglichkeit ermöglichen

Um die physische- sowie die Sinneszugänglichkeit von Spielflächen bzw. Spielplatzgeräten für möglichst viele Menschen möglich zu machen können wir auf das 2-Wege-Prinzip und das 2-Sinne-Prinzip zurückgreifen.

  • 2-Wege-Prinzip: Zugang über zwei unterschiedliche Wege, davon mindestens einer berollbar
    • mögliche Untergründe: Pflaster, Holzflächen, synthetische Beläge
    • berollbar bei besonderer Pflege: Holzhäcksel, wassergebundene Wegedecken, Rasenflächen
       
  • 2-Sinne-Prinzip: Nutzung/Erreichbarkeit durch das Ansprechen von 2 unterschiedlichen Sinnen, z.B. Sehen + Tasten
    • visuelle Wahrnehmbarkeit durch hohen Leuchtdichtekontrast zwischen Spielgerät, Untergrund, Hintergrund
    • taktile Wegeführung durch Bodenbeschaffenheit oder Holz- bzw. Seilhandläufe
    • Orientierungssystem durch Tastmodell oder kontrastreiche Belagswechsel
    • rundum erzwungene Bewegungen (Schaukeln ect.) Orientierungshilfen einsetzen

Rampen mit Spielwert

Inklusive Spielplätze werden häufig mit langen Steg- bzw. Rampenkonstruktionen ausgestattet, die als reine Transferelemente verstanden werden. Fangen wir an, den Rampen Spielwert hinzuzufügen, indem wir zum Beispiel bespielbare Wände einplanen oder gar mit Steigung, Belag und eventuellen Hindernissen auf der Fahrbahn spielen, werden wir dem Anspruch eines inklusiven Spielplatzes etwas mehr gerecht. Alternativ ergibt es in manchen Fällen auch mehr Spielwert, wenn wir statt der Rampe zu einem bestimmten Spielpunkt gleich die ganze Fläche berollbar machen. Dann ersetzen wir die barrierefrei erreichbare Höhenerfahrung durch ein Stück mehr Freiheit, nämlich sich an alle Orte auf der Spielfläche nach eigenem Wunsch bewegen zu können und dort - je nach Fähigkeiten - ins Spielen zu kommen.

Bereiche schaffen

Eine Aufgliederung der Spielfläche in verschiedene Bereiche kann helfen, sich einfacher zu orientieren und die jeweiligen Nutzungen und Risiken innerhalb dieser Bereiche einzuschätzen. So ergibt es zum Beispiel Sinn, aktive Spielfunktionen von beruhigten Spielfunktionen zu trennen. Dies kann unter anderem auch sehr reizoffenen Menschen nötige Rückzugsmöglichkeiten bieten. In folgende Bereiche kann gegliedert werden:

  • Aktive Bereiche mit vorgegebenen Bewegungsabläufen (Schaukeln, Drehen, Seilbahn ect.)
  • Aktive Bereiche mit freiem Spiel
  • Aktive Bereiche ohne Fallschutz als Hybridbereiche für unterschiedliche Interessen/Bedürfnisse (niedriges Balancieren, Treffpunkt ect.)
  • Beruhigte Bereiche (Rollenspiel, Sandspiel, Verweilen, Balancieren)
  • Überdachte/geschützte Bereiche (Sitzen, Picknick, alternatives Sitzen)

Mehr Inklusionswissen

Für alle, die tiefer in das Thema Inklusion auf öffentlichen Spielplätzen einsteigen möchten sowie an Austausch von Erfahrungen, Sichtweisen und Gedanken zur praktischen Umsetzung von Inklusion auf Spielplätzen und an Spielplatzgeräten interessiert sind, sind wir gerne Ansprechpartnerin. Gerne kommen wir mit unserem praktischen Inklusionsleitfaden in Form eines Vortrags zu Ihnen und gehen ins Gespräch, bzw. unterstützen bei konkreten Planungsfragen. 

Jetzt Kontakt aufnehmen

Weiterführende Links